Vom Altenburg-Blick zur Altstadt-Rallye

Die vermessene Strecke in Felsberg hat die Läufer über 5 km einmal die Runde von Felsburg über Altenburg, die Kiesteiche und die Seenplatte zurück ins Stadion nach Felsberg geführt, wo sie, wie alle Läufer, egal ob schnell oder langsam, begeisterter Empfang der Felsberger Ausrichter (TSV Eintracht Felsberg und TSV Jahn Gensungen) und der Besucher erwartete. Die 10km-Läufer liefen die Runde zweimal.

Eine vermessene Strecke wird übrigens nicht mit Sportuhr ermittelt, auch nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad. Zunächst wird eine exakt gerade Eichstrecke abgefahren (mind. 300m). Diese Eichstrecke wird viermal abgefahren. Auf der Strecke dann wird in Kurven ganz innen gefahren. Anschließend kommt ein Promille der Gesamtstrecke pauschal obendrauf. Eine amtlich vermessene 5km-Strecke enthält also exakt 5005m. Schließlich wird die Eichstrecke noch einmal abgefahren, um zu schauen, ob Reifendruck oder Temperatur zu Veränderungen geführt haben.

Als jemand, der es gerne exakt mag, fragt man sich natürlich, warum die 10-km-Strecke 10 m länger ist als 10 km. Das hat zwei Gründe: Zum einen will man damit sicher gehen, dass bei einem Einspruch gegen einen Rekord beim Nachmessen nicht eine minimal kürzere Distanz herauskommt. Denn bei einem nationalen Rekord würde nachgemessen werden.

Zweitens ist ja auch der Lauf auf der Bahn meist mehrere Meter länger als die angegebene Distanz. Das gilt bei Strecken ab 800m insbesondere, da ja beim Überholen einige Meter zusätzlich zu laufen sind. Aber selbst bei den 400m laufen fast alle Sprinter Strecken von etwa 402m. Die ausgemessene Linie einer Bahn liegt exakt 20cm rechts der Linie (bei der Innenbahn, so sie erhöht ist, sind es 30cm). Hier müsste man schon dauerhaft konzentriert und sicher extrem weit innen laufen, ohne dabei mehr als einmal die weiße Linie zu berühren. Das ist nahezu unmöglich. Und doch hat es einst jemand bis zur Perfektion trainiert: Der von 1977 bis 1987 exakt 9 Jahre, 9 Monate und 9 Tage ungeschlagene Hürdenläufer Edwin Moses schaffte es, auf der 400m-Bahn 400,05m zu laufen. Er schaffte das, indem er in den Kurven die Füße wie ein Eisschnellläufer aufsetzte. Schrittlänge und Schrittführung waren nahezu perfektioniert.

Von der großen Leichtathletik-Geschichte, die in diesen Tagen auch des legendären 1500m-Siegs von Dr. Otto Peltzer über Paavo Nurmi in Charlottenburg 1926 gedenkt, zurück zu den Stars des Schwalm-Eder-Laufcups.

In Felsberg gewann die 10km-Strecke (+10m ) Volker Goineau in 34:56. Max Leinweber, der Vorjahressieger, schaffte es nur auf Platz 2 vor Aaron Wicke und Tristan George. Martin Herbold wurde nur 7.

In der Gesamtwertung aber hat Martin Herbold noch gute Chancen. Er hat 5 Ergebnisse eingefahren und dabei schon 243 Punkte sicher. Max Leinweber hat 149 Punkte. Je nach Start und sich daraus ergebenden Streichresultaten ist hier für beide noch viel möglich, aber man sieht, dass die 50 Punkte bisweilen auch schon mal an andere starke Läufer gehen. Volker Goineau freilich müsste noch an allen 4 folgenden Wettbewerben teilnehmen, um den Gesamtsieg holen zu können.

Die Schäfchen im Trockenen hat als erster der Langstrecke Robert Link, der die AK M50 mit 5 Siegen gewonnen hat und damit Vorjahressieger Hans-Gerrit Auel ablöst. Ebenso am Ziel ist die Tuspo Borken I, die ihren Vorjahressieg wiederholt.

Über 5 km hat Charlotte Brixius (20:27) Jolina Thormann (20:41) in Schach halten können und kommt mit diesem vierten Sieg der Titelverteidigung näher. Johanna Degenhardt hat mit ihrem fünften AK-Sieg die Titelverteidigung der W40 bereits sicher. Und das gilt auch für Peter Kalbfleisch in der M80.

Noch keine Gesamtsiege stehen in der Jugend und bei den Kindern fest. Das liegt auch daran, dass einige von ihnen den Lauf für die Kreismeisterschaft über 5 km gewählt haben. Die 3:30 von Valentin Elias Schmidt waren Tagesbestwert über 1000m. Bei den Mädchen lief Gina Strangmeyer 3:50.

Von Felsburg und Altenburg geht es nun zum Altstadtlauf nach Treysa. Und während in Felsberg eine flache Strecke zu bewältigen war, was den Langstrecken-Rouleuren unter den Läufern zugutekommt, geht es nun auf eine Berg- und Talbahn mitten in der Altstadt von Treysa.

Der Schwalm-Eder-Laufcup hat mit Homberg, Michelsberg und Felsberg, weitgehend auch Wiera, flache Strecken im Programm, aber auch gefürchtete Anstiege: der Schlussanstieg in Niederurff geht noch, der Start in Niedenstein ist schon härter, die Rampe in Melsungen tut richtig weh. In Ziegenhain muss auf der Langstrecke die Steigung dreimal bewältigt werden, aber in Treysa läufst du sieben Mal bergauf. Hier spielt die so genannte Laktat-Resilienz eine sehr wichtige Rolle.

Im Gegensatz zu Ziegenhain etwa geht es in Treysa zunächst steil bergab. Der frische Körper nimmt ordentlich Tempo auf und geht nun locker in die erste Steigung, die sich streng genommen bis zur Ziellinie hinzieht, auch wenn sie abflacht. Immer wieder bildet bei den Anstiegen der Körper Laktat. Schießt in Runde 1 zu viel ein, war es das mit einer guten Zeit. Bleibst Du aber zu weit zurück, holst du deine Konkurrenz nicht mehr ein.

Der ständige Wechsel von Ab und Auf ist auch nichts für alleinige Bergläufer, eher für Allrounder, im Winter Bergauf-Intervalle laufen und im Sommer Übergeschwindigkeitstraining bergab (Downhill Sprints) machen. Letzteres braucht man halt nicht allzu oft, wenn man nicht gerade 100m-Sprints trainiert. Für Treysa kann es aus anderen Gründen sinnvoll sein. Wie hoch ist der Kniehub? Wie kommt man beim Bergablaufen mit dem Schuh auf? Abgewetzte Fersen an Carbon-Schuhen zeigen dann, was nicht so gut lief.

Dennoch hat sich immer wieder gezeigt, dass v.a. die aktuell gute Form dazu beiträgt, auch in Treysa eine gute Zeit zu laufen.

Für die Zuschauer ganz besonders ist, dass man die Läufer mehrfach vorbeikommen sieht. Die schnellsten in weniger als 3 ½ Minuten-Rhythmen, womit die schnellsten die schnellen Läufer (4 min.) einmal rundenüberholen. Das ist gleichzeitig auch der größte Nachteil: Es wird alsbald unübersichtlich, da die Läufer in mehreren verschiedenen Runden laufen. Doch für immer wieder gute Übersicht werden Timo Beckmann und Co. per Lautsprecher und bester Organisation bis zur Siegerehrung bestimmt wieder sorgen.

Und übrigens: Eine Altstadt-Runde ist etwas kürzer als 1 km, zumindest wenn man immer schön innen läuft.

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